IG Centered Riding Schweiz

Basispunkt weiche Augen - Ideenbörse

Weiche Augen – Ideenbörse

 

Die Ideen sind für Reiter, die ihr Pferd schon selber steuern oder auch gut reiten können. Bei allen Uebungen geht es immer darum, dass der Schüler die Quintessenz selber herausfinden kann. Ich erkläre jeweils, dass wir uns in ein grosses Versuchslabor begeben und wir verschiedene Versuche machen werden. Wie die Versuche sich auswirken, werden wir anschliessend besprechen. Der Schüler soll unbedingt auch mal mit ungünstigen Ideen reiten und spüren, wie sich das für ihn anfühlt und was sein Pferd damit anstellt.

 

Erste Lektion: Der Töggelisalat                                                                 

Ich stelle 20 Töggeli in einem wilden Durcheinander auf einer Fläche von 20 x 20 Metern auf. Ohne Vorbereitung stelle ich dem Schüler die Aufgabe, irgendwie um diese Töggeli zu reiten, aber vorsichtig, die sind nämlich aus Glas! Während der Schüler seine Aufgabe zu lösen beginnt, habe ich eine erste Gelegenheit, sein reiterliches Können anzuschauen. Wie reitet er die Kurven, wo schaut er hin, lehnt er in die Wendungen, knickt er ein etc.? Die Fehler registriere ich lediglich, kommuniziere sie noch nicht. Ich lasse den Schüler ein paar Minuten durch die Töggeli reiten. Wenn er möchte, darf er auch traben.

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Dann besprechen wir die „weichen Augen“. Der Schüler bekommt erneut die gleiche Aufgabe gestellt. Im Anschluss daran analysieren wir die Lektion. Werten die Untersuchungsergebnisse des Versuchslabors aus. Wie hat es sich mit weichen / harten Augen angefühlt? Wieviel Hilfengebung war erforderlich, damit das Pferd seinen Weg gefunden hat? Wie war das Vorwärts? Wie die Balance? Wie das Miteinander?

 

Danach erhöhe ich den Schwierigkeitsgrad. Aus den einzelnen Töggeli bilde ich Törchen, die immer noch wild durcheinander angeordnet sind. Der Schüler bekommt die gleiche Aufgabe. Einfach mal durch die Törchen reiten wie es gerade so geht und dann mal ganz bewusst mit weichen Augen und vorausschauend die Aufgabe meistern. Wieder wird das Resultat besprochen.

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Habe ich eine Gruppe zu unterrichten, mache ich meistens noch ein Spiel daraus, auch mit den Erwachsenen. Ich gebe ihnen drei Minuten Zeit, in der sie so viele Törchen wie möglich durchreiten sollen. Gangart frei. Jeder zählt selber. Lustig war einmal, dass ich erwachsene Schüler hatte, die nicht gleichzeitig Törchen reiten konnten und sie auch noch zählen. Das war selbst für mich eine ganz neue Erkenntnis. Auch das ist Koordination. Eine Kopfleistung (zählen) sowie eine Körperleistung (Törchenreiten) miteinander ausführen. In einem solchen Fall macht man die Aufgabe leichter. Jemand anders zählt die Törchen für den Reiter.

 

Am Schluss der ersten Lektion bespreche ich mit dem Schüler die Hausaufgaben. Er soll sich in der Zwischenzeit achten, wie er die weichen Augen anwenden kann, wann er sie verliert und wie es mit dem Anwenden beim Reiten im Gelände geht und ob er sie auch im Alltag anwenden kann.

 

Zweite Lektion: Die Smartiestorte

Mit 8 Töggeli bilde ich einen grossen Kreis, Durchmesser mindestens 12 Meter, besser etwas mehr. Das ist unsere Torte, die Töggeli sind die Smarties. Der Schüler darf nun ausserhalb der Töggeli auf dem Tortenrand reiten. Er soll ausprobieren, wie weit er vorausschauen muss, damit er den Radius „einstellen“ kann. Fällt es ihm leicht, die Augen voraus fliessen zu lassen oder bleibt er gerne an einem Töggeli hängen?

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Gleichzeitig zu den weichen Augen können wir den Bauchnabelscheinwerfer einführen und üben. Die Augen fliessen voraus, der Scheinwerfer folgt in dieselbe Richtung. Der ganze Körper richtet sich in die Bewegungsrichtung aus. Beim Seitenwechsel auf der Torte kommt die Balance ins Spiel. Schön am imaginären Gummiseil am Kopf hängen und nicht in die Wendung lehnen oder kippen. Hier ist Rumpfdynamik gefragt. Helfen kann sehr gut das Dehnen der Diagonalen.

 

Wir testen mit den weichen Augen die Gangarten. Wie viele Smarties sind voraus zu schauen, damit sich Schritt, Trab oder gar Galopp gut anfühlt? Wann muss der Schüler die Richtung möglichst wenig korrigieren, damit das Pferd auf dem Tortenrand bleibt? In dieser Töggeliaufstellung kann man auch sehr gut mit der Zügelführung arbeiten. Mitgehende Hände – die Ellbogen fallen immer wieder an den Rumpf zurück. Geht das auch bei den Seitenwechseln oder beim Slalomreiten um die Smarties?

 

Als Herausforderung für den Reiter bilde ich aus den Töggeli einen Smarties-Doppelkreis. Wieder testen wir die weichen Augen in den verschiedenen Gangarten. Die Abstände zwischen den Töggeli kann man je nach Schwierigkeitsgrad varieren. Diese Aufstellung muss man unbedingt selber mal ausprobieren. Es fühlt sich unbeschreiblich gut an, wenn das Pferd in einer höheren Gangart merkt, dass es durch die Törchen laufen soll und man als Reiter nur mit vorausschauenden weichen Augen die Richtung angeben kann. Das Pferd beginnt dann das Körpermuster des Reiters zu „lesen“.

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Beim Doppelkreis können verschiedene Slaloms geritten werden. Nur um den inneren Kreis, nur um den äusseren oder sogar um beide. Schritt – Halt – Uebergänge im Doppelkreis reiten, hilft, bereits beim Anreiten in die richtige Richtung zu schauen.

 

Dritte Lektion : Die Töggeligasse

Auf der Mittellinie stell ich eine Töggeligasse auf. Abstände zwischen den Törchen ca. 5 Meter. Am effektivsten wirkt diese Idee auf einem grossen Reitplatz oder in einer grossen Halle. Der Schüler versucht, während der Gassendurchreitzeit seinen Blick nach vorne gerichtet zu halten und an die weichen Augen zu denken. Als lustige Abwechslung kann ein Reiter vorne an der Gasse stehen und vor zu verschieden viele Finger aufstrecken. Der Reiter, der in der Gasse reitet, meldet sofort die Anzahl der Finger, die er sieht. Wieder spielen wir mit den Tempos in der Gasse. Auch Slalomreiten oder sogar eine Schlangenlinie sind in dieser Aufstellung möglich. Ab und zu lege ich auch noch ein paar Stangen in die Gasse um die Reiter herauszufordern und gleichzeitig ihr Vertrauen in die Pferde zu stärken. Das Pferd passt schon selber auf, als Reiter muss ich dem Pferd mit meinen nach unten gerichtete, harten Augen nicht zeigen, wo die Stange liegt.

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Der fortgeschrittene Reiter kann in der Gasse auch galoppieren. Ich hatte einmal in einer Gruppenlektion ein extrem schiefes Pferd im Galopp. Es ging rechte Hand auf dem Hufschlag fast traversartig im Galopp und es brauchte sehr viel Einfühlungsvermögen, das Pferd aus dieser Disbalance herauszuholen. Die Töggeligasse hat das ganz einfach geregelt. Das Pferd konnte gar nicht mehr schräg galoppieren, musste sich gerade richten ohne dass die Reiterin aktiv werden musste. Sie achtete auf ihre weichen Augen und lies das Pferd gewähren. Das Pferd hat sich in der Töggeligasse grosse Mühe gegeben, auch wenn es ihm sehr schwer gefallen ist.  

 

Vierte Lektion: Die absolute Herausforderung

Für diese Lektion suche ich verschiedene Gegenstände aus dem Alltag zusammen. Kübelsäcke mit Stroh gefüllt, Futtermittelsäcke, Körbe, Tonnen, Sitzbälle etc. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit diesen Gegenständen baue ich Törchen oder Engpässe entlang der Reitplatzbegrenzung. Oftmals meint ein Reiter zu wissen, dass sein Pferd scheue bei Kübelsäcken, Sitzbällen usw. Es macht ihm dann extrem Mühe, an die weichen Augen zu denken und nicht den Gegenstand zu fixieren. Bei Reiterpaaren, die mit solchen Hindernissen Mühe bekunden, stelle ich die Gegenstände zuerst sehr weit auseinander hin, damit beide ein Erfolgserlebnis haben. Dann beginne ich, das Törchen immer enger zu gestalten. Die Lektion ist erst richtig abgeschlossen, wenn das Pferd ruhig durch die Gegenstände gehen kann, allenfalls sogar dazwischen stehen bleiben kann.

 

Material

Die Töggeli, die ich verwende, kann man bei der Firma: www.vistawell.ch bestellen. Sie sind sehr praktisch auf einem Ständer gestapelt und können auch gut mitgenommen werden, wenn man auswärts unterrichtet.

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Maxi-Cone - Markierungs-Set, 20 Stück, Höhe 20 cm, aus flexiblem Kunststoff, Farben assortiert. Preis: Fr. 73.--.

Die Töggeli vertragen es, wenn ein Pferd darauf tritt, ausser bei Minustemperaturen.  

 

Ich wünsche euch viel Spass beim Ausprobieren und freue mich auf Feedbacks!

 

                                                                                              Erika Weiss

 

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