IG Centered Riding Schweiz

Basispunkt weiche Augen - aus der Sicht der Biomechanik

Weiche Augen aus der Sicht der Biomechanik

 

Mit weichen Augen zu reiten ist ein fantastisches Gefühl, das haben wir alle schon erleben können. Es bringt einem ins Gleichgewicht, auch emotional. Es fühlt sich erhaben an. Das Gefühl der Prinzessin auf dem Pferd beschleicht einem oder wie ein kleiner Junge in der Reitstunde meinte, das Gefühl des Papstes…..

 

Dass es schwierig ist, immer wieder die Augen „loszulassen“, sie fliessen zu lassen, wissen wir auch. Das erleben wir auch immer wieder. Es ist ein dauernder Prozess des Findens, Fühlens und Verlierens. Das wird auch immer so bleiben, wir werden es aber immer schneller merken, wenn wir uns mit den Augen irgendwo festkrallen. Im Gleichgewicht sein ist kein Zustand, den ich einstellen kann und der dann bleibt. Es ist ein permanentes Suchen nach der Mitte.

 

Weiche Augen und Muskelgleichgewicht

 

Sally Swift ermuntert uns, mit den Knochen zu reiten, damit die Muskeln durchlässig die Bewegungen des Pferdes durch den Reiterkörper fliessen lassen können. Harte Augen stören das Muskelgleichgewicht. Wir können das ausprobieren. Dahin, wo unsere Augen gehen, folgt ihnen der Kopf nach. Blicken wir auf den Boden oder auf die Ohren des Pferdes, wird der Kopf ganz leicht nachfolgen. Ein Kopf hat ein Gewicht von 5 – 7 Kilogramm. So viele Kilos kommen also aus dem Gleichgewicht und die Muskeln in Schultern und Rücken müssen den Kopf in dieser Vorlage fixieren. Diese Muskeln leisten Haltearbeit und spannen dabei an. Sie können in diesem Zustand nicht mehr durchlässig sein. Muskeln arbeiten nie einzeln, es sind immer ganze Muskelketten in Betrieb. So ist der Kopf muskulär mit dem Becken verbunden. Gerät unser Kopf infolge harten, auf die Pferdeohren fixierten Augen, aus dem Gleichgewicht, ist unser Sitz nicht mehr durchlässig, das Becken wird fest.

 

Suche dir zur Veranschaulichung  einen Stein, der das Gewicht eines Kopfes hat. Den Stein legst du auf einen Stab oder Stecken und versuchst, ihn auszubalancieren. Du wirst merken, dass du ihn nicht loslassen kannst, sonst fällt er zu Boden. Wenn er nach einer Seite kippt, ist er sehr schwer zu halten. Diese Arbeit müssen dann die Muskeln machen. Sie spannen an. Zeige diese Situation auch deinen Reitschülern. Es ist sehr beeindruckend, wie schwer ein Kopf ist.

 

Genau diesen Aspekt der Anspannung und Undurchlässigkeit spürt das Pferd. Es merkt, dass der Reiter aus dem Muskelgleichgewicht gerät und wird unsicher. Es gerät selber aus dem Gleichgewicht und fragt den Reiter, was los ist und beginnt zu z.B. scheuen, den Kopf nach oben zu nehmen, auf das Gebiss zu liegen etc.

 

Augenmuskeln im Gleichgewicht

 

Unser Augapfel wird von den Augenmuskeln bewegt. Wir können ohne den Kopf zu bewegen nach unten, oben, rechts oder links schauen. Haben wir einen harten, fixierten Blick, verspannen diese kleinen Muskeln und sind nicht mehr durchlässig. Auch diese kleinen Muskeln sind ein Teile von Muskelketten und lösen das Spannungsmuster im ganzen Körper aus. Mit weichen Augen blicken wir entspannt, die Augenmuskeln können entspannen, wir werden durchlässig, auch im Geist.

 

 

 

 

Viele Uebungseinheiten im Alltag

 

Weiche Augen machen nicht nur auf dem Pferd grossen Sinn. Bei vielen Tätigkeiten im Alltag können wir die weichen Augen üben. Beim Spazieren mit dem Hund, dem Velofahren, Autofahren, beim Posten etc. Ich möchte euch ermuntern wieder mehr im Alltag an das Gefühl der weichen Augen zu denken, euch darauf einzulassen. Es ist doch genial, dass wir überall „Reiten“ üben können, auch wenn wir nicht auf dem Pferd sitzen!

 

                                                                                              Erika Weiss

 

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