IG Centered Riding Schweiz

Basispunkt Erden - was das Erden verhindern kann

Was das Erden verhindert

 

Manchmal will es einfach nicht klappen, das Erden. Der Reitschüler gibt sich die aller grösste Mühe, der Centered-Riding-Lehrer versucht auf -zig verschiedene Arten dem Schüler das Erden zu erklären, es erfahren zu lassen und trotzdem funktioniert es nicht. So jedenfalls ist es mir schon ein paar Mal ergangen.

 

Zunächst versuche ich dann mal die Anatomie von Reiter und Pferd genauer anzuschauen. Hat der Reiter lange, kurze, dicke, dünne Beine? Ist das Pferd eher rund oder schmal? Ev. treffen da ein Pferde-Reiterpaar zusammen, die sich das Leben eher schwer machen, d.h. in dieser Kombination halt das Erden wirklich nicht einfach ist. Dann finden wir eine Kompromisslösung. Es soll dem Reiter und dem Pferd wohl sein.

 

Spannend ist es auch zu beobachten, wie der Reiter selber am Boden geht. Dreht er seine Fussspitzen nach innen oder aussen? Hat er X- oder O-Beine? Könnte eine solche Fuss-/Beinstellung dem guten Erden beim Reiten entgegenstehen? Zeigt der Reiter diese Haltung auch auf dem Pferd? Solche körperbedingten Haltungen können nicht in der Reitstunde auf dem Pferd korrigiert werden. Höchstens kann der Reiter sich dieser Situation bewusst werden und wir als Reitlehrer können ihm Ideen mitgeben, wie er auch im Alltag immer wieder mal an diese Situation herangehen kann. Gedankenbilder, die den richtigen Ausrichtungsprozess positiv beeinflussen, können helfen, damit sich das eigentliche Problem nicht noch mehr verstärkt oder über ein sehr langes Zeitfenster hinaus gesehen, sogar verbessert. Bsp.: Der Reiter dreht die Zehen nach innen und kippt auf die Aussenseite des Fusses, was das Erden blockiert. Auch am Boden geht der Reiter mit eingedrehten Zehen, ein ganz altes Muster. Wir können ihm das Gefühl vermitteln, beim Gehen und Abrollen des Fusses über seine grosse Zehe abzurollen und nicht wie bis anhin, über die kleinen Zehen. Nimmt der Reiter dieses Gedankenbild im Alltag immer wieder hervor und stellt sich darauf ein, wird er mit der Zeit besser Abrollen und sein altes Muster etwas loswerden können. Das verbessert natürlich mit der Zeit auch sein Erden auf dem Pferd!

 

Manchmal sieht die Reiter- und Pferdeanatomie aber sehr gut aus. Es passt und ein gutes Erden müsste möglich sein. Ausser:

 

Die Schuhe -  Der Reiter kann seine Fussgelenke nicht bewegen, da er die Schuhe zu fest zugeschnürt hat. Bei Reitern, die Freizeitschuhe tragen, kontrolliere ich gerne die Schnürung. Beim Gehen am Boden wird das Fussgelenk nicht so stark abgewinkelt, wie beim Sitzen im Sattel. Die Schuhbändel müssen daher für’s Reiten viel lockerer verschnürt werden. Der Reiter soll das Gefühl haben, der trage bequeme Hausschuhe. Das eindrücklichste Erlebnis in diesem Zusammenhang war Beat. Er bekam tatsächlich beim Leichtreiten Schmerzen in der Aussenseite des einen Fusses. Erst in der zweiten Lektion ist mir ein Licht aufgegangen! Wir lockerten die Schuhbändel und das Problem war weg!

 

Die Steigbügel – Ja, auch die Steigbügel können ein gutes Erden verhindern. Davon betroffen sind vor allem Westernreiter. Ihre Steigbügel haben sehr breite Steigbügelriemen – Fender. Selten hängen die Steigbügel in der richtigen Richtung, also muss der Bügel 90 ° abgedreht werden, damit der Reiter den Fuss hineinstellen kann. Bei den schmalen Bügelriemen der Englischsättel ist das kein Problem. Bei den breiten Fendern hingegen sehr. Der Bügel hängt nicht mehr waagrecht über dem Boden sondern ist aussen höher als innen. D.h. das Fussgelenk knickt nach aussen ab. Das Gelenk ist blockiert und ein Erden unmöglich. Das Fussgelenk kann nicht federn, Knieschmerzen können die Folge sein. Behebung dieses Zustandes: Vom Sattler einen kleinen Keil an der Innenseite der Steigbügel unter dem Schutzleder anbringen lassen.

 

Die Pauschen – Ein Test mit der Sattlerin Fränzi Weiss. Simone hat für ihr Pony Lucky vor ein paar Jahren einen Masssattel fertigen lassen. D.h. er ist für ihre Figur sowie Luckys Rücken massgeschneidert. Lucky hat eine starke Hinterhand und ist hinten ganz wenig überbauen. Es ist sehr schwierig, auf Lucky auszusitzen oder auch Leichtzureiten. Es fühlt sich auf ihm an wie auf einem Katapult (habe ich selber ausprobiert J). Mit vielen Uebungen und Bildern konnten wir Simones Sitz in der Trabsituation ein wenig optimieren. Aber so richtig den Durchbruch haben wir mit Centered-Riding nicht geschafft.

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Könnte es ev. am Material liegen? Ja, es kann und zwar am Sattel. Danke Simone, dass du dich für diesen Test zur Verfügung gestellt hast! Der massgeschneiderte Sattel hat sehr grosse Pauschen und beim Hinterzwiesel eine steile Sitzkurve. Die Sitzkurve können wir nicht verändern, jedoch die Pauschen beobachten. Auf dem Bild links sieht man, wie die gross dimensionierte Pausche Simones Oberschenkel nach aussen bringt. Ihr Hüftgelenk dreht ebenfalls nach aussen und blockiert. Zum Katapultgefühl kommt noch ein blockiertes Hüftgelenk dazu, was das Abfangen von Luckys grosser Bewegung noch schwieriger macht. Ein solches Abdrehen des Beines kann sogar zu krampfartigen Schmerzen in den Gesässbacken auf Höhe des Kreuzbeins führen. Bevor Fränzi den Sattel auseinander genommen hat, suchten wir ein passendes Modell ohne Pauschen für einen Testritt.  

Wir waren gespannt auf das Resultat in der Bewegung…..

 Das obere Foto zeigt das Leichtreiten mit dem Pauschensattel. Das untere mit dem Ersatzsattel ohne Pauschen und einer sanfteren Sitzkurve. Leider ist es nicht genau die exakt gleiche Fotosequenz im Trab. Beide Fotos zeigen jedoch die Aufstehbewegung im Leichtreiten. Links spickt Simone aus dem Sattel, rechts ist die Bewegung kontrolliert. Simone sucht ohne Pauschen zwar noch etwas nach Halt. Wenige Runden später hat sie sich bereits gut an die neue Situation gewöhnt. Für Simone waren die beiden Sättel so verschieden wie Tag und Nacht. Es hat sie sehr erstaunt und auch erfreut, dass nicht sie das Problem war, sondern der Sattel, was ja zwar auch nicht so toll ist ;)

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Aufgrund von diesem Resultat hat Fränzi noch auf dem Platz die Pauschen herausgetrennt.

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Hier gut sichtbar liegt das Bein viel schöner am Sattel. Es wird nicht mehr abgespreizt. Es ist Simone nun ohne Pauschen viel besser möglich, mit Luckys starker Bewegung mitzugehen. Sie kann in der Aufstehbewegung die Oberschenkel gut an den Sattel rollen und wird dadurch sehr stabil. Das Gefühl der Schlingpflanzen (Einrollen der Oberschenkel beim Aufstehen) wirkt ausgezeichnet und kann umgesetzt werden.

 

Mit wenig Aufwand konnte Fränzi Simone helfen, sich in ihrem Masssattel beim Leichtreiten wohler zu fühlen. Leider ist es gross in Mode, dicke Pauschen vor allem bei Dressursätteln anzubringen. Solange die Pauschen das Bein nicht vom Sattel wegbringen, sind sie in Ordnung. Sobald das Bein weggedrückt wird, entstehen Blockaden.

 

Zum Vergleich die verschiedenen Sitzkurven. Oben die hinten steiler werdende Kurve, unten die flachere. Für das Reiterpaar Simone / Lucky eignet sich die flachere Kurve eindeutig besser.

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Auch beim Vorderzwiesel sieht man sehr gut, dass das Schambein beim unteren Sattel viel besser Platz hat, was eindeutig ein grösserer Sitzkomfort bedeutet. Viele auch neuere Sättel klemmen den Reiter richtig ein und schränken die Bewegung des Beckens ein. Das Becken soll sich jedoch mühelos nach vorne und hinten abkippen lassen, um die Stösse des Pferderückens abfangen zu können und mit dem Becken gezielt Sitzhilfen zu geben. Ein eingeklemmtes Becken verhindert ebenfalls das Erden, da Reiter in dieser Situation gerne beginnen mit den Knien zu klemmen und die Fersen hochzuziehen.

 

Dieser Sattel- und Sitzvergleichtest war für uns alle sehr interessant. Vielen Dank auch an Lucky, denn nur wegen seiner grossen Bewegung sind wir überhaupt auf solche Ideen gekommen. Wir hoffen, dass diese Erkenntnisse vielen CR-Lehrern bei der Beurteilung und Förderung ihrer Reitschüler helfen können. Ueber ein Feedback würden wir uns sehr freuen.

 

                                                                          Erika Weiss

                                                                          Fränzi Weiss

                                                                          Simone Frey und Lucky

 

 

 

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