IG Centered Riding Schweiz

Basispunkt Erden

Das Erden

 

Sally Swift spricht von den vier Grundlagen: Sanfte Augen, Balance, Atmen und Zentrieren und ergänzt dies mit dem Erden. Das Erden ist somit eigentlich der 5. Basispunkt.

 

Erden meint: -   Das Gefühl mit dem Boden verwurzelt zu sein.

-         Ist das Fundament, auf dem die restlichen vier Basispunkte aufbauen.

-         Geerdet sein ist in allen Situationen wichtig.

-         Es verschafft Stabilität und ein sicheres Gefühl.

 

Egal, in welcher Gangart oder Disziplin wir reiten, das Erden gehört immer dazu. Es ist das Gefühl, als würden unsere Fusssohlen von der Erde magnetisch angezogen. Im Sattel sitzend, verhalten sie sich deshalb stets parallel ausgerichtet zum Boden. Die Füsse fallen so automatisch unter den Körperschwerpunkt und somit unter die Schultern und die Ohren. Die Bausteine richten sich über den geerdeten Füssen auf.

 

Das bewusste Ausatmen lässt uns nebst zentrieren und wachsen auch erden. Es lässt die Beine lang werden und uns bei jedem Atemzug fest mit dem Boden verwurzeln.

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Das Erden auf dem Pferd

 

Die klassische CR-Uebung ist sicher das Gefühl, wie sich Beine, Füsse und Zehen in Wurzeln verwandeln und vor zu gegen den Boden wachsen. Oftmals genügt es schon, den Reiter zu Beginn der Lektion einige Minuten ohne Bügel reiten zu lassen, damit die Schwerkraft seine Beine erdet.

 

Nachfolgend ein paar weitere Ideen, dem Schüler das Gefühl des Erdens auf dem Pferd zu geben. Jedes Gedankenbild muss sorgfältig eingeführt werden. Es braucht etwas Zeit und viel Fantasie zum Ausschmücken des Prozesses. Ein Gedankenbild funktioniert nur dann wirklich effektiv, wenn der Schüler zum Bild ein Gefühl entwickeln kann. Er weiss dann genau, wie sich das Bild anfühlt.

 

Sandstrumpfhosen – Stell dir vor, deine Reithosen sowie die Schuhe sind prall gefüllt mit feinem Sand in deiner Lieblingsfarbe. An deiner linken Schuhsohle bilden sich plötzlich überall verteilt kleine Löcher und der Sand beginnt, heraus zu rinnen. Du spürst, wie deine ganze Fusssohle leicht und luftig wird. Auch die Zehen werden leicht. Der Sand rinnt unaufhörlich weiter aus deiner Fusssohle. Dein Pferd geht im Schritt und du stellst dir vor, wie dein farbiger Sand auf dem Reitplatzsand eine Spur hinterlässt. Dein Fussgelenk entleert sich, dein Unterschenkel, das Knie, der Oberschenkel etc. bis zu deinem Sitzbein wird alles leicht und leer. – Nachdem das erste Bein entleert ist, den Schüler nach seinen Gefühlen fragen. Sich nicht zufrieden geben, mit: „Es fühlt sich gut an.“ Weiterfragen, bis der Schüler das genaue Gefühl formulieren kann. Dann auch noch das zweite Sandbein entleeren lassen und wieder nach dem Gefühl fragen.

 

Pizza würzen – Ein lässiges Kinderbild. Anstelle mit Sand, sind beide Beine mit Pizzagewürzen gefüllt. Wieder hat es in den Schuhsohlen Löcher wie bei einem Gewürzstreuer. Bei jedem Schritt, den das Pferd macht, sinkt der Fuss nach unten und es löst sich ein wenig vom Gewürz. Die Kinder fragen, welches Gewürz sie am liebsten mögen. Sie spüren lassen, dass mal links, mal rechts Gewürz gestreut wird und somit eine ganz feine Pizza entsteht.

 

Meereswellen – Wer schon mal am Meer die Wellen beobachten konnte, kann sich vorstellen, dass bei jedem Schritt, den das Pferd macht, eine Welle aus dem Becken, den Oberschenkel hinab, durch das Knie, den Unterschenkel, um das Fussgelenk in den rechten Fuss strömt. Unaufhörlich, eine Welle nach der anderen. Mal links, mal rechts. Die Welle läuft im Sandstrand einfach aus. D.h. sie fliesst aus den Füssen an den Boden. Test: Mal die Knie an den Sattel drücken, was geschieht mit der Welle. Ferse hochziehen oder nach unten drücken. Wie fühlt sich die Welle dann an? Immer aufhören mit dem „guten“ Bild, d.h. dem Schüler am Schluss nochmals genügend Zeit geben, sich in das richtige Bild hineinzufühlen und ihn auffordern, dieses besondere Gefühl abzuspeichern.

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Grosser Bruder – kleiner Bruder – Vom mitgehenden Sitz her kennt der Schüler die Bewegung der Sitzbeine, kann die Sitzkreise spüren. Das Bild der beiden Brüder kann ihm eine Idee geben, dass die Sitzbeinbewegung bis in den Fuss fliessen darf. Das Sitzbein ist der kleine Bruder, der Fuss der grosse Bruder. Beide Brüder bewegen sich parallel miteinander im Takt des Pferdes. Mal links, mal rechts. Nach oben und unten.

 

Nudelzehen – Uebung für Pastaliebhaber J. Den Schüler auffordern die Beine aus den Bügeln zu nehmen. Sich erkundigen, ob er gerne Nudeln isst oder kocht. Ihm das Bild von feinen, breiten, al dente gekochten Nudeln vermitteln. Nun soll er sich vorstellen, wie seine linken Zehen sich in diese breiten Nudeln verwandeln. Sie werden flach, beweglich und immer länger, wachsen vorne aus den Schuhen heraus. Die Nudelzehen hängen über den Schuhrand zu Boden wie ein „Flatterivorhang“. Mit jeder Beinbewegung kommt auch Bewegung in die hängenden Nudelzehen. Wieder linken und rechten Fuss vergleichen und das Nudelbild auch am rechten Fuss installieren. Nun den Schüler Uebungen reiten lassen und seine Aufmerksamkeit immer wieder auf die Nudelzehen lenken. Bsp. Schritt – Trab – Schrittübergänge und das dabei das weiche Nudelzehengefühl behalten können. Uebungen langsam steigern, damit der Schüler immer wieder zum ursprünglichen Gefühl zurückfinden und loslassen kann. Das schönste der Gefühle ist, dieses Nudelzehenbild im Galopp umzusehen und dabei zu spüren, wie der Wind durch die Nudeln bläst und der Galopprhythmus sich bis in die Nudelzehen fortsetzt.

Durch das Loslassen der Zehen über das Nudelbild bleiben die Fussgelenke weich und beweglich sowie auch das Knie- und Hüftgelenk. Eine gute Idee, um wirklich tief sitzen zu können.

 

Das Erden am Boden erleben

 

Auf die Franklinbälle stehen – Der Schüler legt einen Franklinball vor sich auf den Boden. Er wählt einen Fuss und beginnt, einen Schritt auf den Ball zu machen und den Fuss wieder vom Ball zu nehmen. Der Fuss wird mit dem Gewölbe auf den Ball gestellt und der Schüler stellt sich vor, er drücke den Ball mit seinem Gewicht in den Boden. In der kurzen Zeit, in dem der Schüler auf dem Ball steht, darf er seine Bausteine über den Fuss ausbalancieren. Ev. achtet er auf die weichen Augen, auf einen Kraftatem in dem Moment, in dem er auf den Ball steht. Kann er die Arme fallen lassen, oder braucht er sie für das Gleichgewicht? Uebung zunächst nur mit dem einen Fuss machen. Ca. 20 x auf den Ball stehen. Danach neben den Ball stehen, hüftbreit, und im Körper nachspüren. Wie fühlen sich die Füsse an, wie der Rumpf, wie die Schultern etc. Gefühl genau definieren lassen. Danach mit dem zweiten Fuss auf den Ball stehen. Ganz am Schluss wieder nachspüren, was sich weiter verändert hat.

 

Füsse in den Sand stellen – Sich vorstellen, man stehe barfuss im warmen Sand. Der Schüler geht mit seiner Aufmerksamkeit zum rechten Fuss und stellt sich vor, wie er die grosse Zehe, die zweite Zehe, etc. ganz bewusst in den Sand stellt. Den Schüler weiter anleiten, seine einzelnen Fusssohlenteile in den Sand zu stellen. Ballen, Aussenseite, Ferse, Innenseite, Gewölbe etc. Wieder nachspüren und formulieren lassen, bevor der zweite Fuss in den Sand gestellt wird.

 

 

 

 

 

 

Der Balancepunkt – Die sprudelnde Quelle

 

Wir alle wissen, dass es sehr wichtig ist, wie der Fuss im Bügel platziert ist. Bei Schülern, die immer wieder mal andere Schuhe beim Reiten tragen, habe ich gemerkt, dass es sinnvoll ist, jedes Mal den Balancepunkt durch anklopfen der Schuhsohle frisch zu definieren. So bekommt der Schüler in seinen verschiedenen Schuhen das sichere Gefühl, wo der Balancepunkt ist und wie er den Steigbügel austreten soll.

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Der Balancepunkt ist ein Reflexpunkt. Belasten wir den Balancepunkt, erinnert der Reflex unseren Rumpf an eine gute Aufrichtung. Das ist sehr wichtig, damit wir beim Gehen, Joggen, Hüpfen, von der Mauer springen genau den richtigen Muskeltonus im Rumpf haben und somit nicht zusammenklappen. Wir müssen nicht über eine gute Körperspannung nachdenken, sie kommt von alleine. Auch beim Reiten hilft der Balancepunkt, die Rumpfspannung auszugleichen. Das ist vor allem beim Leichtreiten vorteilhaft. Man spürt auch beim Aussitzen und dem Leichten Sitz grosse Unterschiede.

 

Ist der Steigbügel unter dem Balancepunkt platziert, kann das Fussgelenk frei schwingen. Es kann nach unten und auch wieder nach oben federn. Ist das Fussgelenk „frei“, kann das Knie frei sein und auch das Hüftgelenk. Alle Gelenke können die Bewegung des Pferderückens aufnehmen und abfedern.

 

Velosportler kennen den Balancepunkt sehr genau. Sie montieren ihre Velopedalenklicks genau dort an den Veloschuhen, damit sie kraftvoll in die Pedalen treten können.

 

                                                                                    Erika Weiss

 

 

 

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